Der Tyrann von Chaschglion
Bergün
Das Schloss von Chaschglion stand auf dem Felsenkegel eine knappe halbe Stunde ob dem Dorf rechts von der Bahnlinie gegen Preda, unmittelbar vor dem Val Tisch-Viadukt. Der letzte Schlossherr sei ein Tyrann gewesen, vor dem das ganze Volk zitterte. Von einem Bauern habe er eines Tages mit Todesdrohungen verlangt, ihm den Bart abzunehmen. Der Bauer habe die günstige Gelegenheit benutzt und ihm die Kehle durchgeschnitten.
Eine andere Sage erzählt: Der letzte Schlossherr, auch ein Tyrann, der seine Untertanen hart bedrängte, ritt am Sonntag mit seinem Gefolge hinunter ins Dorf zum Gottesdienst. Die Pferde liess er einfach in den Wiesen hinter der Kirche weiden. Einmal hatten sich die Männer im nahen Walde versteckt, drangen während seiner Abwesenheit gewaltsam ins Schloss und zündeten es an. Als der Ritter, von fliehenden Dienstboten vom Überfall benachrichtigt, sich aus der Kirche stürzte und die Pferde zu Handen nehmen wollte, fand er sie getötet im Grase liegen. Eine aus der hohen Waldkuppe emporragende mächtige Rauchsäule verkündete ihm zugleich die Zerstörung seines stolzen Felsensitzes. Nun wusste er, wie viel es geschlagen hatte, und machte sich aus dem Staube.
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